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Minimalismus PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 11. Oktober 2011 um 19:40

Neulich machte die Mutter meiner Freundin eine interessante Aussage: “Ihr seit die erste Generation, die auf nichts verzichten muss.“

Maximalismus für alle

Meine Großeltern, die Kriegsgeneration, hatten durch den 2. Weltkrieg viele Entbehrungen erlebt. Ihnen fehlte es sogar am Nötigsten. Deshalb ist es für mich nicht verwunderlich, dass sie alles daran setzten diesen Umstand zu ändern. Mit Erfolg, getragen von der wachsenden Wirtschaft der Nachkriegszeit, häuften sie immer mehr Hab und Gut an. Und je mehr sie hatten, desto besser ging es ihnen.

Dieses Streben nach materiellen Besitz haben sie an ihre Kinder weiter gegeben.

Minimalismus als Mittel zum Zweck

Nun sitzten wir, plump ausgedrückt, schön in der Scheiße. Wir streben, ausgehend von der Erziehung unserer Eltern und Großeltern und der Parole “Haste was, dann biste was“, nach immer mehr Zeug. Nur um einen Zustand zu verlassen in dem wir weder waren noch kennen. Das führt dazu, dass wir unsere Wohnungen mit Zeug vollstopfen, die wir weder brauchen noch nutzen. Und wir bauen uns Häuser mit Kellern um uns ein Billardzimmer einzurichten das wir in der ersten Woche nutzen um Billard zu spielen, die nächsten 3 Monate nicht betreten und anschließend zur Lagerung des alten Ski-Equipments von vorletzter Saison nutzen, weil zum Wegschmeißen ist ja zu schade.

Ich sehe den Minimalismus als Lösung ohne den ständigen Konsumdrang und in Freiheit mit echten Bedürfnissen zu leben.

Aller Anfang ist leicht

Ich kam zum Minimalismus EIGENTLICH durch das Buch The 100 Thing Challenge von Dave Bruno.  Ich las darüber in einer Zeitschift und fand den Artikel so interessant, dass ich es vorbestellte. Jetzt zum "EIGENTLICH": Der Erscheinungstermin lag so weit in der Zukunft, dass ich es nicht erwarten konnte und habe mir ein anderes Buch zum Thema bestellt. The 100 Thing Challenge habe ich nie gelesen. Rückblickend muss ich auch sagen, dass 100 Dinge zu haben eine willkürliche Menge ist. Jeder muss seine Wohlfühlmenge selber bestimmen. Dave Bruno hat bei seinen 100 Dingen auch gecheatet: Sachen die seiner Familien mit gehören, wie z.B. der Küchentisch, zählt er nicht mit.

Das Buch, das ich mir letztendlich gekauft habe, war The Joy of Less, a Minimalist Living Guide von Francine Jay. Sie beschreibt darin ihr Programm "STREAMLINE" bei dem jeder Buchstabe für eine Methode steht, die einen näher an den Minimalismus bringt. Spätestens nach dem "R" weiß man aber wie der Hase läuft und der Stein kommt ins Rollen.

Zum Einstieg ist es wichtig klein anzufangen: Nehmen sie sich ein Zimmer, ein Regal oder nur einen Schubladen vor. Teilen sie die Dinge auf 2 Stapel auf. Auf den einen Stapel kommen die Dinge, die entweder nützlich sind oder ihnen ein gutes Gefühl machen. Die Restlichen kommen auf den Wegwerfstapel. Wenn es ihnen anfangs schwer fällt zwischen pseudo guten Gefühlen und Unnützlichkeit zu unterscheiden, dann manchen sie noch einen dritten Stapel - sozusagen einen "Ich-weiß-noch-nicht-Stapel". Packen sie ihn in eine Kiste. Stellen sie die Kiste in einen Abstellraum oder den Keller. Wenn sie innerhalb von einem Monat nichts aus der Kiste brauche, dann schmeißen sie das Zeugs weg.

Die Befreiung

Es war mir vorher nicht bewusst, auch wenn ich das Sprichwort “Eigentum verpflichtet” kenne und es schon tausend Mal gehört habe, dass es so sehr der Wahrheit entspricht. Jedes kleine Ding, das man besitzt, bedeutet Verantwortung. Mag es auch noch so klein sein, wie ein Spielzeug aus einer Kinderüberaschung oder die unterste Zeitschrift im Stapel auf der Toilette, muss ich sich darum kümmern – ob ich will oder nicht. 
Deshalb war es, mit jedem Ding, das ich weniger besaß, eine Befreiung für mich, wie eine Last, die von mir fällt. Mittlerweile fällt es mir immer leichter mich von Dingen zu trenne, die ich nicht brauche – auch kann ich schon auf den “Ich-weiß-noch-nicht-Stapel” verzichten.

Fangen sie einfach an und befreien sie sich von nutzlosen Zeug, das ihr Heim verstopft und eine schwere Last für ihre Seele ist. Fangen sie kleine an und geniesen sie das gute Gefühl, das sie dabei haben werden. Ich weiß, sie können es jetzt!